Wir öffnen die Blackbox Batterie

Oliver Schmalbach im Interview mit dem Online – Magazin Energate

Wir öffnen die Blackbox Batterie

Böblingen (energate) – Die baden-württembergische CTC Battery Technology GmbH hat sich auf die Optimierung von Batterieanwendungen spezialisiert. Unter anderem berät sie ihre Kunden, welche Batterie für eine bestimmte Anwendung passend wäre. Zudem bewertet sie gebrauchte Batterien, um sie einem zweiten Leben zuzuführen. Das sogenannte Testing von Batterien wird etwa vor dem Hintergrund der E-Mobilität zunehmend wichtiger. energate sprach mit dem Geschäftsführer, Oliver Schmalbach.

energate: Herr Schmalbach, würden Sie uns zu Beginn ein paar Eckdaten zu CTC geben?
Schmalbach: CTC Battery Technology gibt es in dieser Form erst seit einem Jahr. Zwar liegt die ursprüngliche Gründung im Jahr 2007 schon eine Weile zurück, wir haben aber erst im vergangenen Jahr den Fokus auf die Batterieanalyse gelegt und das Thema in eine eigene Gesellschaft abgespalten. Vorher hatten wir viele Themen, haben damit jedoch teilweise kein Geld verdient. Für das laufende Jahr planen wir mit einem Umsatz von 1,4 Mio. Euro.

energate: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus und wer sind Ihren Kunden?
Schmalbach: Wir sind auf das Testing von Batterien spezialisiert. Unsere Kunden kommen zum Beispiel aus den Bereichen Automotive, Powertools und Elektronik oder auch Energiespeichersysteme. Eigentlich ist die Batterie eine Blackbox. Sie wissen zunächst nicht genau, wie sind Alterungszustand und Lebensdauer, Ladedauer und Reichweite, Sicherheit und Kapazität. Diese Box können wir mit unseren Testsystemen und unserer Analysesoftware öffnen und so die Batterieperformance einschätzen. Unser Ziel ist, dass Kunden zu uns kommen können, die gewünschten Parameter, wie Preis, Kapazität oder Temperatur, vorgeben und wir ihnen dann einen Hersteller und die ideale Batterie für ihre jeweilige Anwendung, etwa im E-Auto, empfehlen. Genauso spannend ist das Thema 2nd Life. Hier schauen wir uns an, wo und wie eine gebrauchte Batterie noch am besten einsetzbar ist, beispielsweise in einem stationären Stromspeicher. Mit dem Daimler-Konzern und weiteren Partnern sind wir zudem Teil des Fraunhofer-Forschungsprojektes „DeMoBat“, das die industrielle Demontage von Batteriemodulen und E-Motoren untersucht.

energate: Wie läuft das Testing konkret ab?
Schmalbach: Im Zentrum des Testings steht eine digitale cloudbasierte Plattform, mit der wir die Batterieteststände ansteuern sowie Batteriedaten auslesen und analysieren können. Unser Anspruch dabei ist es, mit unserer Analyse- und Steuerungssoftware jede Hardware für Batterietests ansteuern zu können – also Kompatibilität. Darum entwickeln wir auch die notwendigen Schnittstellen immer weiter. Die Basisversion der Plattform selbst wollen wir bis nächstes Jahr fertigstellen. Damit messen, erfassen und analysieren wir die relevanten Parameter für die Leistungsfähigkeit der Batterie. Das Besondere daran ist,
dass wir die Tests mit schon vorhandenen Daten und Statistiken hinterlegen, die wir zum Beispiel aus anderen Batterietestfeldern oder aber unseren Werkstatt- und Diagnosetestern erhalten. Auf die Weise können wir wesentlich schneller eine Aussage treffen, weil wir weitaus weniger testen müssen. Statt mehreren tausend Testreihen reichen uns schon ein paar dutzend Tests. Dass wir viele unterschiedliche Daten und Statistiken an einem Ort speichern, ist ein riesiger Mehrwert für unsere Kunden. Denn noch sind die oft dezentral in irgendwelchen Excel-Dokumenten von F&E-Standorten versteckt. Und wir wollen diese Datenbank weiter ausbauen. Dazu sind wir mit mehreren Prüfstandsbauern in Gesprächen und wollen mit einem renommierten Testdienstleister noch dieses Jahr ein Joint Venture zum Testing gründen.

energate: Warum ist das Testing eigentlich so relevant?
Schmalbach: Nehmen Sie zum Beispiel die Elektromobilität. Wenn Sie Ihr E-Auto verkaufen wollen, ist es wichtig, den Zustand der Batterie zu kennen. Denn in einem Elektroauto macht die den maßgebenden Wert aus. Auch dafür entwickeln wir unsere Plattform und unsere Diagnoseverfahren. Und als Hersteller wollen Sie wissen, wie groß eine Batterie für ein bestimmtes Modell sein muss.

energate: Aber ist größer nicht auch besser, weil reichweitenstärker?
Schmalbach: Tatsächlich wird heute auf die Weise oft das Reichweitenproblem gelöst – indem eine möglichst große Batterie eingebaut wird. Doch ist das nicht immer effizient, geschweige denn nachhaltig. Mit einer guten Analyse kann man eine bessere Lösung finden. Wichtiger als die Größe einer Batterie ist, zu wissen wie sie sich verhält – und das finden wir mit der Zeit heraus. Dann können wir beispielsweise sagen, für das Modell „Smart“, das meist nur in einem Umkreis von 50 Kilometern bewegt wird,
eignet sich Batterie „xy“ und eben nicht „z“.

energate: Welche weiteren Anwendungen gibt es und wie schätzen Sie das Marktpotenzial ein?
Schmalbach: Das Feld ist sehr breit und reicht vom Hersteller von Powertools, also Elektrowerkzeuge für Profis, über Betreiber von Stromspeichern bis hin zu mobilen Anwendungen. Letzteres meint dabei nicht nur Autos – wobei es selbst da Unterschiede gibt, wie etwa, ob es sich um ein Stadtauto handelt oder eines für Überlandfahrten. Zunehmend spielen Batterien auch in der Luftfahrt eine Rolle, zum Beispiel in Drohnen, Flugtaxis oder Hubschraubern. Und, natürlich, stellt ein Flugtaxi andere Ansprüche
an eine Batterie als ein E-Auto. Was den Markt angeht, glauben wir, dass der schon bald explodieren wird. Man braucht nur auf Europa zu schauen, wo viele Batteriefabriken geplant sind und die Kapazitäten massiv ausgeweitet werden. Das alles, um bei der wichtigsten Komponente des E-Autos unabhängig von Asien zu werden. Und das ist nur eine Anwendung. Allerdings werden damit auch die Probleme mit den
Rückläufern wachsen.

energate: Was sind das für Probleme?
Schmalbach: Oft werden Batterien einfach verbrannt, weil schlicht die Kompetenz fehlt, deren Güte zu testen. Damit wird aber eine Wiederverwendung in einer anderen Anwendung verhindert und es gehen wertvolle Ressourcen verloren. Der Abbau von Lithium beispielsweise erfolgt meist in fragilen Regionen wie der Atacama-Wüste und benötigt Unmengen Wasser. Aktuell häufen sich bei uns die Anfragen zu Rückläufern. Unter den Absendern sind mittlerweile nicht nur Powertool-Hersteller oder E-Autobauern, sondern auch Recyclingfirmen.

energate: Welche nächsten Schritte planen Sie?
Schmalbach: Zunächst wollen wir die Kooperationen mit Prüfstandsbauern und Testing-Firmen, wie Dekra, Tüv und so weiter, intensivieren. Parallel arbeiten wir daran, unseren Diagnosetester bundesweit in die Werkstätten zu bekommen, sodass wir mehr Daten aus dem Livebetrieb haben. Das ist wichtig, um unsere Plattform, die sich noch im Proof-of-Concept-Status befindet, wie geplant final fertigstellen zu können. Außerdem sind wir auf der Suche nach einem weiteren Investor, um operativ noch mehr
Druck zu machen.

Wir bedanken uns für das interessante Inverview bei Daniel Zugehör und der gesamten energate-Redaktion Essen.

Das Interview kann hier runtergeladen werden: CTC Interview

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